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Norovirus-Welle: Du hast dich angesteckt? Dann solltest du jetzt das tun

Noroviren sind hochansteckend und in diesem Jahr in Deutschland besonders aggressiv. Was am besten gegen die aggressive Magen-Darm-Erkrankung hilft, seht ihr im Video.

21.12.2016 15:34 | 1:21 Min | © Wochit

 

Norovirus: Kleiner Fiesling

Ob an Türklinken, Geldscheinen oder Händen: Durchfall und Erbrechen lauert in der dunklen Jahreszeit überall. Der Übeltäter ist meist das Norovirus. Das steckt hinter der fiesen Magen-Darm-Erkrankung und so kannst du dich vor ihr schützen.

Inhalt

Norovirus in Norwalk

Erstmals sorgte das Virus 1968 für Schlagzeilen, als er in der US-Stadt Norwalk im Bundesstaat Ohio ausbrach und viele Einwohner ansteckte. Nach dem Vorfall ist das Virus letztendlich auch benannt (Vorsilbe "Nor"). Infektionen sind das ganze Jahr möglich. Für gewöhnlich gibt es in den Wintermonaten aber die größten Ansteckungswellen (zwischen Oktober und März). Im Jahr 2016 begann das Elend jedoch schon deutlich früher, wie das Robert Koch-Institut (RKI) mitteilte. Die Erklärung könnte die Verbreitung eines neuen Subtyps sein. 

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Elektronenmikroskopische Aufnahmen zeigen die kleinen Noroviren. © dpa

Verwandlungskünstler

Dass das Norovirus so viele Menschen immer wieder für einige Tage in die Knie zwingt, liegt an jener munteren Wandlungsfähigkeit. Ständig mutiert sein Erbgut und verhindert, dass sich das menschliche Immunsystem vorbereiten kann. Auch der Subtyp ändert sich nach einigen Jahren, sodass sich ein Mensch, der einen Krankheitsverlauf bereits durchlebt hat, nicht lange über Immunität freuen kann. Die alten Erreger treiben sich im nächsten Winter mitunter zusätzlich herum. Eine Impfung gibt es keine. 

Wenige glückliche Ausnahmen können sich dennoch freuen: Einige Menschen sind wegen einer Genmutation gegen das effektive Norovirus tatsächlich lebenslang immun – nicht gegen alle Stämme, aber zumindest gegen die meisten.

Hartnäckiger Bursche

Der Erreger gilt als extrem resistent. Temperaturen zwischen 20 Grad Minus und 60 Grad können ihm nichts anhaben. Das Norovirus kann selbst bei Feuchtigkeit überleben. Noch schlimmer: Die Viren überleben auf Gegenständen bis zu mehrere Wochen.

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Der Norovirus ist meldepflichtig. © dpa

Es braucht nicht viel

Um einen Menschen zu befallen, reichen schon zehn bis 100 Noroviren aus, die sich rasant im Körper vermehren. Immerhin: Nicht nur die Viren sind schnell, auch das Immunsystem ist flott und minimiert die Symptome mitunter innerhalb von Stunden. In der Regel vergehen aber bis zu drei Tage. Das allgemeine Krankheitsgefühl (Übelkeit, Kopf- und Muskelschmerzen) und starke Schlappheit können sich noch etwas länger ziehen.

Risikoherde

Das Virus wird von Mensch zu Mensch übertragen – via Schmier- oder Tröpfcheninfektion. Kontaminierte Flächen wie Türklinken oder Hände und Speicheltropfen, die etwa beim Erbrechen nach draußen gelangen, bergen eine große Ansteckungsgefahr. Eine Infektion über belastetes Essen ist selten.

Ansteckungsgefahr

Wer den Norovirus hat, ist bereits in der Inkubationszeit (die nur wenige Stunden dauert) infektiös und in der ersten Phase extrem ansteckend. Besonders durch das Erbrechen können die Viren leicht übertragen werden. Rund 48 Stunden nach dem die letzten Symptome abgeklungen sind, gilt ein Patient als nicht mehr ansteckend. Mit einer Einschränkung: Das Virus wird noch rund ein bis zwei Wochen über den Stuhl ausgeschieden.

Symptome

Erbrechen, Durchfall und Magenkrämpfe: Die Symptome von einem Norovirus zeigen sich in der Regel heftig – zumindest bei Erwachsenen. Nur bei einem milden Verlauf äußert sich eine Infektion mit Bauchschmerzen. Dies ist eher bei Kindern der Fall. Bei ansonsten gesunden Menschen verläuft eine Infektion in der Regel ohne weitere Komplikationen. Kritischer kann es bei Babys, kleinen Kindern und älteren Menschen sowie Patienten mit schwachem Immunsystem werden. Ihre Körper können bei Durchfall und Erbrechen rasch austrocknen.

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© dpa

Meldepflicht bei Norovirus

Es ist wichtig, vor einem Besuch beim Arzt diesen telefonisch über den Verdacht zu informieren, damit du in der Praxis nicht mit anderen Menschen in Kontakt kommst. Auch ein Hausbesuch ist möglich. Diagnostiziert ein Mediziner das Norovirus gilt eine Meldepflicht. Bei einigen Berufsgruppen muss schon beim Verdacht informiert werden.

Therapie

Wer mit dem Norovirus kämpft, benötigt meist keine Medikamente. Manchmal werden Wirkstoffe gegen Übelkeit und Erbrechen verschrieben. Der Patient braucht Bettruhe, um sich zu erholen und Flüssigkeiten sowie Salze, um seine Speicher wieder aufzufüllen. Trinken Sie viel Wasser und Tee oder nehmen Sie Zwieback, Weißbrot und salzige Suppen beziehungsweise Brühen zu sich. Gegebenenfalls sind spezielle Elektrolytlösungen sinnvoll. Gegessen werden kann theoretisch alles, wobei der Appetit dir wohl ohnehin zu verstehen gibt, was der Körper verträgt. Die Tendenz wird ganz sicher zu leichter statt deftiger Kost gehen.

Richtig vorbeugen

Hat es ein Familienmitglied erwischt, sind sorgfältige Hygienemaßnahmen zu ergreifen. Benutzen Sie mindestens unterschiedliche Handtücher, verwenden Sie im Idealfall sogar getrennte Toiletten. Vermeiden Sie jeglichen Körperkontakt und waschen Sie sich regelmäßig sowie gründlich die Hände. Spülen Sie nur bei geschlossenem Toilettendeckel und reinigen Sie alle potenziell kontaminierten Flächen regelmäßig besonders gründlich. Kleidung, Handtücher und Bettbezüge werden heiß gewaschen. Ebenfalls wichtig: Wer an einem Norovirus erkrankt ist, bereitet besser kein Essen für andere zu. Kommen Desinfektionsmittel zum Einsatz, sollten sie auf das Norovirus spezialisiert sein. Gewöhnliche Produkte können keinen entscheidenden Schaden anrichten.

Fazit: Das Norovirus ist effektiv, wandlungsfähig und hartnäckig. Eine Infektion kann starkes Erbrechen und schweren Durchfall verursachen. So schnell und heftig die Symptome auftreten, so rasch verschwinden sie meist. Wichtig ist, den hohen Flüssigkeits- und Elektrolytverlust auszugleichen. Eine medikamentöse Therapie ist in der Regel nicht nötig. Patienten und Familienmitgliedern wird empfohlen entsprechende Hygienemaßnahmen zu ergreifen und erkrankte Menschen möglichst temporär zu isolieren.

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