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Die vergessene Seuche: Plötzlich mehr Fälle von dieser tückischen Krankheit

Zu Beginn des neuen Jahrtausends geriet die Krankheit in Deutschland fast in Vergessenheit - nun steigen die Zahlen bundesweit wieder an. Alle Infos im Video.

23.03.2017 15:33 | 1:30 Min | © Wochit

 

Tuberkulose: Die vergessene Seuche taucht wieder auf

Früher war Tuberkulose, auch Schwindsucht genannt, eine gefürchtete Krankheit. Lange galt sie als besiegt und ausgestorben, doch nun steigen die Zahlen der Erkrankungsfälle in Deutschland wieder. Viele Infos dazu findest du im Video.

Inhalt

Tuberkulose: Was ist das?

Früher nannte man Tuberkulose, kurz Tbc oder Tb, auch den weißen Tod. In den meisten Fällen betrifft die Infektionskrankheit die Lungen. Bakterien gelangen auf dem Luftweg in die Atemorgane des Menschen und verbreiten sich dort. Ein gesunder Mensch kann die Erreger normalerweise durch das Immunsystem abschirmen – bei nur rund 5 Prozent bricht Tuberkulose wirklich aus.

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Die Tuberkulose-Erreger befallen vornehmlich die Lungen. © Pixabay

Bei 20 Prozent der betroffenen Patienten betreffen die Erreger andere Organe. So können sie auch die Hirnhäute, das Rippenfell, die Knochen, Harnwege, Haut, Geschlechtsorgane oder den Verdauungstrakt besiedeln. Das passiert jedoch relativ selten. Häufiger kommt es vor, dass diese Teile des Organismus infolge einer Ausbreitung der Infektion von den Lungen aus in Mitleidenschaft gezogen werden.

Eine fast vergessene Krankheit

Anfang des Jahrtausends sprach kaum jemand mehr in Deutschland von Tuberkulose. Nur noch wenige Fälle wurden jährlich diagnostiziert. Doch jetzt steigen die Infektionszahlen wieder. In Deutschland wurden laut "Robert Koch Institut" im Jahr 2015 insgesamt 5.865 Tuberkulosen festgestellt. Diese Fallzahlen liegen um 29 Prozent höher als noch im Vorjahr. Bereits seit 2013 nehmen die Erkrankungen zu und es ist offensichtlich noch kein Ende in Sicht.

Weltweit gesehen kommt es nach wie vor zu vielen Infektionen. Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO treten mit 95 Prozent fast alle Erkrankungen in ärmeren Ländern auf. Vor allem Asien und Afrika seien betroffen. In Indien sind etwa 2012 über zwei Millionen neue Tuberkulose-Fälle aufgetreten.

Symptome und Verlauf

Tuberkulose ist eine tückische Krankheit. Ihre ersten Symptome können leicht mit einem grippalen Infekt verwechselt werden. Zu Beginn haben Betroffene nämlich zumeist nur Husten, nächtliche Fieberattacken und beginnen, an Gewicht zu verlieren. Erst Wochen später, nachdem sich der Husten verschlimmert hat und blutiger Auswurf sowie extreme körperliche Schwäche hinzukommen, sind die Symptome deutlicher und eine Behandlung kann in die Wege geleitet werden.

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Mit einigen Untersuchungen kann der Arzt eine Infektion diagnostizieren. © Pixabay

Therapie

Es ist wichtig, bei solchen Krankheitsanzeichen auch an Tuberkulose zu denken. Der Arzt wird zunächst durch Abklopfen und Abhören der Lunge den Gesundheitszustand checken. Bei Verdacht untersucht er den Rest des Körpers, da sich auch hier oftmals Zeichen der Schwindsucht erkennen lassen.

Verhärtet sich sein Verdacht, werden eine Reihe weiterer Untersuchungen durchgeführt. Das Blut zeigt an, ob die Entzündungsparameter erhöht sind. Der nächste Schritt ist in der Regel eine Röntgenuntersuchung. Hier lassen sich Entzündungsherde leicht erkennen. Bei einer Infektion tauchen sie auf dem Bild als Schatten auf. Ist auch das Brustfell von der Tuberkulose betroffen, sammelt sich zudem Flüssigkeit an, die auf dem Röntgenbild zu sehen ist.

Es besteht auch die Möglichkeit, eine Tuberkulose-Infektion durch einen Hauttest zu diagnostizieren. Dafür wird ein Stoff, der von den Kapseln der Tuberkulose-Bakterien gesammelt wird, mit einem Stempel in die Haut gespritzt. Wenn frühestens 72 Stunden nach der Injektion eine Hautreaktion, beispielsweise in Form eines Knötchens auftaucht, deutet das auf eine Infektion hin – selbst, wenn sie noch nicht ausgebrochen ist.

Behandlung von Tbc

Wurde eine Tuberkulose-Infektion festgestellt, leitet der behandelnde Arzt umgehend eine medikamentöse Behandlung ein. Der Patient muss eine Kombination verschiedener Antibiotika einnehmen – über etwa neun Monate lang. Zudem ist eine ansteckende Tuberkulose meldepflichtig. Das Gesundheitsamt wird benachrichtigt und der Betroffene isoliert, um keine weiteren Menschen zu infizieren. Hinzu kommt, dass er zwei Jahre lang regelmäßig untersucht wird.

Solche Maßnahmen sind absolut wichtig. Gerade in ärmeren Ländern kommt es immer wieder zu Todesfällen aufgrund einer Tuberkulose-Infektion, weil die Antibiotika nicht anschlagen. Das Problem: Die Patienten brechen die Behandlung frühzeitig ab, wodurch sie Resistenzen entwickeln und die Therapie nicht mehr funktioniert.

Ergibt es Sinn, sich impfen zu lassen?

Weil Tuberkulose eine relativ seltene Erkrankung ist, wird eine Impfung seit 1998 nicht mehr empfohlen. Auch deren Wirksamkeit ist nicht ausreichend belegt. Das Impfmittel, das mittlerweile nur noch medizinischem Pflegepersonal, Kleinkindern oder älteren Menschen verabreicht wird, aktiviert bestimmte Abwehrzellen, um eine Ansteckung weniger wahrscheinlich zu machen. Doch die WHO berichtet, dass es in einigen Fällen sogar zu einer Verschlechterung der körpereigenen Abwehr, zu Abszessen an den Impfstellen oder gar Knochen- und Knochenmarksentzündungen gekommen ist.

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Eine Impfung wird seit 1998 nicht mehr empfohlen. © Pixabay

Fazit: Lange Zeit waren die Zahlen von an Tuberkulose erkrankten Menschen so rückläufig, dass die Schwindsucht nahezu vergessen war. Seit einiger Zeit zeichnet sich jedoch wieder eine Zunahme ab, sodass es wichtig ist, über die Infektionskrankheit Bescheid zu wissen, damit eine schnelle medikamentöse Therapie, die das Leben retten kann, eingeleitet wird.

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