- Bildquelle: Peter Badge © Peter Badge

Vierzig Jahre ist es her, da nahm Marius Müller-Westernhagen „Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz“ auf, ein nach vorn gehendes, freches Album aus zehn Songs. Es war bevölkert von Typen aus dem wahren Leben: dem armen Klaus mit seinem faden Leben unter Wert; der Prostituierten Margarethe, die ihrem Zuhälter nicht genug abwirft; dem Liebenden, der seinem Peter traurig adieu sagt und sich mit Giselher schon wieder sehr wohlfühlt. Es handelte von Dicken, Trinkern und einem frustrierten Musiker vor teurem Papier.

Das Album kam langsam, aber gewaltig, und es begründete 1978 die einzigartige Karriere des Marius Müller-Westernhagen. Einzigartig, weil unter den Großen der Branche wohl niemand seinen Weg so konsequent selbstbestimmt gegangen ist, als Herr seiner selbst. Auf dem Höhepunkt des kommerziellen Erfolges erkannte er, dass ihn Gigantomanie nicht mehr reizen konnte, sondern nur noch die Erweiterung seines künstlerischen Horizonts. Seine Musik wurde erdiger, luftiger, ging back to the roots. Und sie funktionierte auch unplugged ganz großartig.

In der alten Kirche in Woodstock, dem legendären Dreamland Studio, wurden denn auch kaum mehr als ein paar Gitarren ausgepackt, eine Geige, eine Pedal-Steel-Gitarre, ein kleines Akkordeon, etwas Percussion. Und es ging tierisch los, nur ganz anders als vierzig Jahre zuvor. Aus dem vorhandenen Baumaterial – Melodien, Akkorde, Texte – erschufen Marius Müller-Westernhagen und seine amerikanischen Begleiter ein traumhaftes Gewebe aus Atmosphäre, Intensität und Seele. Sie ließen alles Überflüssige weg und kochten die Stücke runter auf ihre Essenz.

Manche der Songs haben vielleicht jetzt erst richtig zu sich selbst gefunden. „Johnny Walker“ und „Alles in den Wind“ zum Beispiel, abgrundtief traurige Trinkerballaden. Und „Mit 18“ vor allem, diese Rückschau auf sich selbst als junger Wilder. „Dicke“ zeigt sich als fröhliches Aufräumkommando mit Übergewichtigen-Klischees. „Pfefferminz“ bekam ein Gewand aus Rhythm and Blues, „Oh Margarethe“ wird ganz laid back gespielt und „Zieh dir bloß die Schuhe aus“ wie in einer Latino-Bar. Produziert hat Marius Müller-Westernhagen das Album gemeinsam mit Larry Campbell, der mit zahllosen Größen der amerikanischen Musik gearbeitet und eine halbe Ewigkeit in der Band von Bob Dylan gespielt hat. Die Arrangements entstanden unter ihrer Führung im intensiven Zusammenspiel der Musiker und in endlosen Diskussionen. Die daraus gewonnene Tiefe und Wahrhaftigkeit, der ganze Geist dieser Aufnahmen vermittelt sich beim Hören sofort. „Das Pfefferminz-Experiment“ ist wie die Wiederbegegnung mit einem alten Freund, der schon immer aus der Menge herausstach und mit zunehmendem Alter an Klasse und Lässigkeit dazu gewonnen hat.

40 Jahre nach der Veröffentlichung seines Erfolgsalbums „Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz“ veröffentlicht nun Westernhagen mit „Das Pfefferminz-Experiment“ alle Songs in einem neuen Arrangement.

Westernhagen