Peter Brugger, Florian Weber und Rüdiger Linhof hatten stets ein Händchen dafür, Gitarren-Pop-Hymnen zu schreiben, denen man sich schwer entziehen kann. Eingängig, uplifting, auf ihre ganz eigene Weise poetisch, wirken viele ihrer Songs, als wären sie förmlich dafür geschrieben worden, sie gemeinsam mit hunderten Fans auf einem Festival in der Sonne zu singen. Oder in einem Club in den Bühnennebel und den Schweiß, der von der Decke tropft. Man schaue nur auf die Single „Spektakulär“: Einfacher Rhythmus, der sofort in den Taktfuß schießt, wavige Gitarren, im Refrain plötzlich Synths-Spektakel. Und vor allem Peters Lyrics, der hier singt: „Wie 'ne rauschende Clubnacht nach der Pandemie / Wie Weeknd, wie Squid Game, wie Coldplay noch immer / Wie der Schimmer von frisch Verliebten /Wie Begrünung von Wüstengebieten.“ Das ist originell, zitatreich, witzig – und jeder und jede fühlt es.

Diese und andere Singles wie zum Beispiel „I’M ALRIGHT!“ und und „Ich scheiß‘ auf schlechte Zeiten“ sind der Beweis, dass die „Sportis“ gut in Form sind – trotz oder gerade wegen der langen Pause.  Sänger Peter Brugger sagte in einem Interview über die Pause: „Es ist viel passiert. In der Band herrschte erstmal Funkstille. Wir haben uns nicht gut verstanden, als wir die Live-Auftritte 2017 beendet haben. Wir hatten unterschiedliche Meinungen und haben uns voneinander entfernt. Deshalb haben wir den Cut gemacht, wir gingen mit völlig offenem Ende auseinander. Jeder hat entweder andere Projekte gestartet oder sich ins Privatleben zurückgezogen.“ Aber dann merkten die drei Freunde doch, dass sie eben das sind: Freunde – und nicht bloß Kollegen. Peter erzählt weiter: „Vor rund zwei Jahren haben wir den Entschluss gefasst, es wieder miteinander probieren zu wollen. Wir haben uns getroffen, hatten unsere Instrumente dabei – wir wollten reden und Bier trinken. Aber auch herausfinden, ob wir uns wieder annähern können. Dann ist etwas Schönes passiert: Wir haben uns Corona-freie Bubbles geschaffen, in denen wir wieder zusammen Musik gemacht haben. Dabei ist auch noch eine neue Platte entstanden. Wir sind wieder näher zusammengerückt, haben ein besseres Verständnis füreinander und wieder Lust, gemeinsam zu spielen.“

Das hört man den neuen Songs auf „Jeder nur ein X“ an – das man übrigens bitte so ausspricht: „Jeder nur ein Kreuz“. Im Begleitschreiben des Albums heißt es zu dem Titel sehr passend: „Wieder spürt man diese Mehrdeutigkeit, mit der die Band so gerne agiert: Man könnte bei diesem Albumtitel an Wahlen denken. An Wahlfreiheit. Auch daran, dass jeder sein eigenes Kreuz zu tragen habe. Und dann natürlich auch an den schwarzen Humor des Monty-Python-Films „Das Leben des Brian“. Das Interessante aber ist: Jede dieser Assoziationen passt, zur Band – und zur Platte.“ Das glauben wir gerne.