WHAM! sind ja eigentlich alle Jahre wieder in aller Munde. Spätestens dann, wenn die Schokoladenweihnachtsmänner in die Regale geräumt werden und „Last Christmas“ die Radioplaylisten und Wohnzimmer flutet. In den letzten Tagen konnte man allerdings ein Interesse bemerken, dass weit über diesen Hit hinausreicht – was vielleicht auch mit einer Dokumentation zu tun hat, die gerade bei einem großen Streaminganbieter angelaufen ist. Und mit der anlaufenden Kampagne – samt WHAM!-TikTok-Kanal – zur tollen Compilation „WHAM! The Singles: Echoes From The Edge Of Heaven“. Die kommt in allen Formaten herrlich üppig daher: Neben der normalen CD, den digitalen Formaten und dem Doppel-Vinyl gibt es zum Beispiel auch das Deluxe-7“-Vinyl-Single-Boxset oder das 10 CDs umfassende Boxset.

Es ist schön, dass man endlich wieder auf das Gesamtwerk von WHAM! schaut, diesem Duo, das Popgeschichte geschrieben und ein ganzes Jahrzehnt musikalisch geprägt hat. 1981 gründeten (der leider 2016 verstorbene) George Michael und Andrew Ridgeley WHAM! und sorgten schon 1982 mit ihrer Debütsingle für Diskussionen. „WHAM! RAP! (Enjoy What You Do)“ war ein gerappter Affront gegen das vorherrschende Männerbild und die Leistungsgesellschaft. Die beiden werben darin für die Idee, aufs Arbeiten zu verzichten, um sich mit der Arbeitslosenkohle eine gute Zeit zu machen. „You got soul on the dole? You’re gonna have a good time!“, heißt es gleich in den ersten Sekunden. Der Refrain bringt die Sache perfekt auf den Punkt: „Wham, bam! / I am a man / Job or no job, you can’t tell me that I’m not / Do you enjoy what you do? / If not, just stop / Don’t stay there and rot.“

Auch wenn die Rap-Anteile noch präsenter waren, hatten sie ihren Sound schon gefunden. Der heute das Äquivalent von „80er-Jahre-Pop“ ist. Damals waren sie damit jedoch ihrer Zeit voraus. Pop sei ein schmutziges Wort geworden zu dieser Zeit, sagte George Michael einmal in einem Interview, in dem es darum ging, dass viele Kritiker die WHAM!-Musik trashig fanden.

George Michael arbeitete mit jeder weiteren Single dagegen an. Und hier muss man ihn ein wenig mehr nach vorne stellen, weil Michael tatsächlich die WHAM!-Songs in den meisten Fällen im Alleingang schrieb und sogar produzierte. Es ist eine große Freude, sich auf „WHAM! The Singles: Echoes From The Edge Of Heaven“ noch einmal durch die recht kurze Bandhistorie zu hören, die 1986 mit einem Abschiedskonzert im Wembley-Stadion ein würdiges Ende fand. Der ultra-queere Drive von „Bad Boys“, der schwülschöne „Club Tropicana“ mit seinen Bläsern und seinem Bar-Klavier, das fast ein wenig new-wavig beginnende „Freedom“, der Überhit und Tanzschulen-Klassiker „Wake Me Up Before You Go-Go“, das vom Saxofon getriebene „The Edge Of Heaven“, ja selbst das unvermeidliche „Last Christmas“, das ironischerweise hörbarer wird, wenn man es außerhalb der Weihnachtszeit an sich ranlässt, wo dann endlich wieder der zutiefst romantische Song zutage kommt, der unter all dem Schnee vergraben lag.