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Fünf Rückenmythen: Was ist dran?

Wärme oder Kälte bei Rückenschmerzen: Was ist besser? Entlastet Sitzen den Rücken? Wie wichtig ist Sport für den Rücken? Dr. Martin Marianowicz klärt auf.

21.08.2016 15:00 | 6:30 Min |

Inhalt

Rückenschmerzen durch Muskelverspannung

Eine der häufigsten Ursachen für Rückenschmerzen sind Verspannungen. Die wiederum entstehen oft durch Zugluft oder Bewegungsmangel. Die harten Muskeln reizen die benachbarten Nerven oder können diese einklemmen. Die Folge: ein unangenehmes Kribbeln, Taubheitsgefühl, Empfindungsstörungen sowie ein brennender, einschießender oder stechender Schmerz. Ein eingeklemmter Nerv kann auch dazu führen, dass man in seinen Bewegungen extrem eingeschränkt wird. Die gute Nachricht: Muskelverspannungen verschwinden in der Regel nach wenigen Tagen – und somit auch die stechenden Rückenschmerzen.

Zu viel sitzen, schadet mehr als es nutzt

Weit verbreitet, jedoch falsch ist der Mythos, dass Sitzen den Rücken entlastet. Tatsächlich ist vielmehr genau das Gegenteil der Fall. Der Druck auf die Bandscheiben ist enorm hoch, dabei wird die Muskulatur vernachlässigt. Tipp: Wenn du im Büro arbeitest oder generell berufsbedingt viel sitzen musst, dann nutze am besten jede Gelegenheit, um aufzustehen. Hol dir einen Kaffee aus der Küche, telefoniere im Stehen, und wenn du mal dem Kollegen im anderen Raum etwas mitteilen willst, dann verschicke dazu keine Mail, sondern geh einfach persönlich zu ihm hin. Beim Sitzen selbst solltest du darauf achten, dass du eine aufrechte Haltung hast. Der Stuhl darf also nicht zu hoch, aber auch nicht zu niedrig eingestellt sein – du sollst ja nicht ständig zum Bildschirm hochgucken. Die Körperhaltung ist deswegen wichtig, damit die Wirbelsäule ihre natürliche Doppel-S-Form beibehält und gleichmäßig belastet wird.

Rückenschmerzen sind eine typische Bürokrankheit. Denn wer den ganzen Tag sit...
Rückenschmerzen sind eine typische Bürokrankheit. Denn wer den ganzen Tag sitzt, schadet damit seiner Wirbelsäule. © dpa

Chronische Erkrankungen

Ein wenig ernster ist die Lage, wenn die betroffene Person an Übergewicht leidet. Denn wer zu viel auf die Waage bringt, belastet seine Wirbelsäule dauerhaft. Aber auch chronische Erkrankungen können Rückenschmerzen begünstigen. Darunter fallen unter anderem: Wirbelkörperverschiebung, Bandscheibenentzündung, Gelenkverschleiß, Knochenschwund sowie -verdickung, Abriss der Nervenwurzel, Nierensteine und Endometriose. Bei Frauen sind Rückenleiden zudem oft Teil der Regelschmerzen. Treten Lähmungserscheinungen in den Beinen oder Armen auf, kann der Stuhl oder Urin nicht gehalten werden und verstärken sich die Rückenschmerzen bei Bewegungen zunehmend, sollte für eine genauere Diagnose unbedingt der Arzt aufgesucht werden.

Psychosomatische Ursachen

Dass Körper und Seele zusammenhängen und sich mitunter bedingen, äußerst sich auch bei Rückenschmerzen. Denn kränkelt die Psyche durch Stress oder Depressionen, kann sich das in körperlichen Beschwerden äußern. Wie kann das jedoch sein? Dafür gibt es mehrere Erklärungen. Angst und Stress erhöhen zum Beispiel den Herzschlag, woraus eine Steigerung der Durchblutung zustande kommt. Hält dieser seelische Zustand länger an, können psychosomatische Störungen auftreten. Aber auch Rückenschmerzen selbst können, wenn sie chronisch sind, zu Depressionen führen. Glücklicherweise gibt es aber auch einen Weg, aus der Schmerzspirale herauszukommen. Nachfolgend zeigen wir dir, wie du die verschiedenen Rückenschmerzen behandeln kannst

Auch Depressionen können Rückenschmerzen bedingen.
Auch Depressionen können Rückenschmerzen bedingen. © Pixabay

Bewegung ist das A und O

Nicht immer, aber oft entstehen Rückenschmerzen durch Bewegungsmangel. Gegen verspannte Muskeln solltest du daher mit sportlicher Betätigung vorgehen und gleichzeitig mit autogenem Training für Entspannung sorgen. Doch nicht jede Sportart eignet sich gleichermaßen gut, um die Schmerzen zu bekämpfen. Dreh- und Scherbewegungen kann der Rücken nicht optimal verkraften – Golf und Tennis sind zwei Sportarten, die daher eher belastend sind. Besser sind Radfahren, Schwimmen oder auch längere Spaziergänge. Generell gilt jedoch: Jede Art von Bewegung  – egal welcher Sport ausgeübt wird – ist besser, als sich gar nicht zu bewegen.

Massage und Akupunktur

Eine weitere Methode, um etwas gegen die Muskelverspannungen zu tun, ist eine Massage. Die ist insbesondere bei chronischen Rückenschmerzen zu empfehlen. Massagen sind häufig Teil einer Physiotherapie und werden von vielen Krankenkassen auch als Kassenleistung angeboten. Genauso wie auch die Akupunktur. Zwar berichten viele Betroffene davon, dass die Heilmethode aus der traditionellen chinesischen Medizin ihnen bei Beschwerden geholfen hat, ob Akupunktur bei Rückenschmerzen jedoch immer Sinn macht, das ist wissenschaftlich nicht erwiesen.

Eine Massage wirkt wie Balsam für Körper und Geist.
Eine Massage wirkt wie Balsam für Körper und Geist. © dpa

Übungen für einen schmerzfreien Rücken

Für die nachfolgenden Übungen brauchst du nur eine Matte, Geräte sind hingegen nicht notwendig.

Kräftigung der Rückenmuskulatur

Ausgangsstellung ist der Vierfüßlerstand. Ready? Dann kann es auch schon losgehen: Strecke den rechten Arm und das linke Bein diagonal raus und ziehe sie langsam wieder ein. Der Blick richtet sich dabei die ganze Zeit auf den Boden. Diese Übung wiederholst du nun zehn Mal, bevor du Arm und Bein wechselt. Wichtig: den Rücken gerade halten.

Verbesserung der Wirbelsäulenbeweglichkeit

Auch bei der nächsten Übung startest du wieder im Vierfüßlerstand mit Kopf nach unten, nur mit dem Unterschied, dass du anschließend einen Katzenbuckel machst. Dazu versuchst du den Rücken so rund wie möglich zu machen und ihn dann wieder in die Ausgangsposition zu versetzen. Die Bewegung wiederholst du zehn Mal. Achte darauf, dass du bei der Übung nicht zu viel Kraft aufwendest und den Katzenbuckel langsam machst.

Dehnen gegen Rückenschmerzen

Diesmal kniest du auf dem Boden und setzt dich so weit es geht auf den Fersen ab. Nun die beiden Hände nach vorne auf die Matte legen. In dieser Position verharrst du eine Minute. Die Muskulatur muss bei der ganzen Übung entspannt bleiben, treten durch die Körperhaltung Rückenschmerzen auf, solltest du natürlich damit aufhören.

Wärme fördert Durchblutung

Sind die Rückenschmerzen leicht und nicht chronisch, können verschiedene Wärmeanwendungen helfen. Eine Möglichkeit dabei ist ein warmes Bad mit Kräuterzusätzen. Das Wasser sollte ungefähr so warm sein wie die Körpertemperatur, jedoch auf keinen Fall zu heiß. Ein besonders beliebtes Hausmittel sind auch Wärmekissen, die im untersten Preissegment bereits für 20 Euro zu haben sind. Ebenfalls praktische Wärmeanwendungen im Kampf gegen Rückenschmerzen sind Wärmepflaster- und Salben. Diese enthalten unter anderem den Wirkstoff Capsaicin, der die Durchblutung ankurbelt. Wie auch Wärmeumschläge sind Salben und Pflaster in der Apotheke erhältlich.

Rückenschmerzen durch Kälte lindern

Was viele nicht wissen: Kälte kann gerade bei akuten Zuständen, wenn die Nervenwurzeln sehr entzündet sind, hilfreicher sein als Wärme. Natürlich musst du dich jetzt nicht in eine Eistonne legen. Es reicht aus, wenn du ein Kühlpack aus dem Gefrierschrank 30 bis 60 Sekunden am Tag auf die betroffene Stelle legst. Ob Wärme oder Kälte für dich besser ist, hängt aber letztendlich von der Art deiner Rückenschmerzen ab. Also am besten einfach beides ausprobieren und selbst herausfinden, was mehr hilft.

Muss man bei einem Bandscheibenvorfall immer operieren?

Nein, muss man nicht zwangsläufig. Tatsächlich erfordern Bandscheibenvorfälle überhaupt gar keine Operation, sofern entzündungshemmende Medikamente, sowie Krankengymnastik nicht helfen und die Rückenschmerzen für den Betroffenen unerträglich sind oder eine Lähmung vorliegt. Dass in Deutschland generell zu viel operiert wird, zeigt die Statistik: Laut einer neuen Studie heilen 90 Prozent der Bandscheibenvorfälle nämlich von alleine oder mithilfe einer ärztlichen Betreuung ab.

Fazit: Beinahe jeder hat schon mal Erfahrungen mit ihnen gehabt, jeder Dritte leidet chronisch an ihnen: Rückenschmerzen. Dass diese inzwischen zur Volkskrankheit geworden sind, hängt vor allem mit den unzähligen Ursachen zusammen, die zu diesem Leiden führen. Am häufigsten sind Rückenschmerzen Resultat einer Muskelverspannung, die vor allem durch zu viel Sitzen und Bewegungsmangel im Allgemeinen ausgelöst werden. Aber auch chronische und psychosomatische Erkrankungen wie Gelenkverschleiß, Knochenschwund oder Depressionen können sich in Rückenschmerzen äußern. Abhilfe schaffen sportliche Betätigung wie Joggen, Schwimmen oder Radfahren. Aber auch durch Massage, Akupunktur, verschiedene Wärme- und Kälteanwendungen sowie einfache Übungen kannst du den Rückenschmerzen ein Ende setzen.

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