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Glutenunverträglichkeit: Was steckt dahinter?

Wenn man heute mit Freunden oder Familie essen geht, kommt es immer häufiger vor, dass einer aus der Runde plötzlich nach etwas Glutenfreiem fragt. Und alle anderen rollen hinterm Rücken mit den Augen.

23.11.2016 15:16 | 1:16 Min | © Glutamat

Hilfe bei Lebensmittelunverträglichkeiten

Hinter Durchfall, Kopfschmerzen und Bauchschmerzen können Lebensmittelunverträglichkeiten stecken. Manche Menschen vertragen kein Gluten, andere reagieren auf Laktose, Fruchtzucker oder Histamin. Welche Möglichkeiten sich dir bei Unverträglichkeiten auf bestimmte Lebensmittel bieten, erfährst du hier bei SAT 1.Gold.

Inhalt

Lebensmittelunverträglichkeiten erkennen

Du isst einen Apfel und Bauchmerzen sind die Folge? Du genießt ein Stück Käse und du bekommst heftige Migräne? Reagierst du auf bestimmte Lebensmittel mit körperlichen Beschwerden, so sind möglicherweise manche Stoffe im Essen schuld. Eine physische Reaktion ist ein Hinweis darauf, dass du bestimmte Inhaltsstoffe nicht verträgst. Um eine Nahrungsmittel-Unverträglichkeit zu identifizieren, gibt es verschiedene medizinische Tests, die du bei einem Arzt durchführen lassen kannst. In Abhängigkeit von den auftretenden Symptomen wird dein Hausarzt entscheiden, ob bzw. welche weitere Untersuchung in deinem Fall sinnvoll ist.

Darüber hinaus besteht die Option, sich eigenständig in einem Selbsttest zu prüfen, indem du bewusst verschiedene Lebensmittel meidest bzw. die körperliche Reaktion nach dem Konsum bestimmter Nahrungsmittel beobachtest. Dies ist in vielen Fällen jedoch schwierig, da wir nur selten einen einzelnen Stoff zu uns nehmen. Außerdem enthält jedes einzelne Lebensmittel viele unterschiedliche Stoffe. Ein Selbsttest bleibt daher im Ergebnis immer ungenau.

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Gluten und Laktose spielen bei vielen Lebensmittelunverträglichkeiten eine Rolle. © Pixabay

Wichtig ist, zwischen einer Allergie und einer Unverträglichkeit auf Lebensmittel zu unterscheiden. Bei einer Allergie spielt das körpereigene Immunsystem eine wesentliche Rolle. Handelt es sich um sogenannte Intoleranzen, so ist die Ursache in einem anderen, körperfremden Bereich zu suchen.

Unverträglichkeit von Milchzucker

Etwa 15 Prozent der deutschen Bevölkerung vertragen nur geringe Mengen an Milchzucker, sogenannte Laktose. In den südostasiatischen Ländern wie zum Beispiel China sind es rund 94 Prozent. Dahinter steckt ein Enzymmangel. Um den Milchzucker aus der Nahrung verwerten zu können, muss er im Darm aufgespalten werden. Dies geschieht durch das Enzym Laktase. Besteht ein Mangel an Laktase oder wird sie nur in unzureichender Menge gebildet, kann nur wenig Laktose abgebaut werden. Folglich gelangt der Zucker in den Dickdarm, dort wird er von Darmbakterien zerlegt. Dabei können Blähungen, Bauchgrimmen und Durchfall entstehen.

Mit einem Wasserstoffatemtest bzw. dem sogenannten H2-Laktose-Atemtest lässt sich feststellen, ob eine Laktose-Intoleranz vorliegt. Bist du davon betroffen, musst du individuell ausprobieren, welche Milchprodukte du verträgst und welche nicht. Vor allem klassische Milchprodukte wie Milch, Quark, Frischkäse und Sahne enthalten viel Laktose. Aber auch Schokolade ist hinsichtlich ihres Milchzuckergehalts nicht zu unterschätzen. Als laktosefrei gelten bestimmte Hartkäsesorten. Cheddar, Gouda und Appenzeller sollten daher beim Verzehr kein Problem darstellen.

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Wenn das Brot mit Frischkäse für Bauschmerzen sorgt, kann eine Laktoseintoleranz vorliegen. © Pixabay

Glutenunverträglichkeit: Klebereiweiß unter Verdacht

Auch wenn die Zöliakie als klassische Unverträglichkeit bekannt ist, so gilt sie dennoch als Sonderfall. Sie ist weder eine Allergie noch eine Unverträglichkeit. Bei einer Zöliakie ist die Darmschleimhaut durch das vorhandene Klebereiweiß Gluten entzündet. Das körpereigene Immunsystem betrachtet Gluten als Eindringling bzw. Feind und löst eine Abwehrreaktion aus. Die Darmschleichhaut reagiert mit Entzündungen.

Infolge einer Zöliakie entsteht häufig ein Mangel an Nährstoffen. Schuld daran trägt die Entzündung der Schleimhaut, die verhindert, dass der Darm die Nährstoffe optimal aufnehmen kann. Das Krankheitsbild zeigt sich in fettigem Stuhl oder Durchfall. Mitunter entstehen jedoch kaum Beschwerden. Stellt der Arzt fest, dass eine Zöliakie vorliegt, so muss konsequent auf Gluten verzichtet werden. Das Eiweiß ist in vielen Getreidesorten zu finden, wie zum Beispiel in Weizen, Gerste, Roggen und Dinkel.

Nur wenig Obst bei Fruktoseintoleranz

Fruchtzucker bzw. Fruktose ist in Früchten enthalten und verleiht ihnen ihre Süße. Im Darm gelangt der Zucker mithilfe eines Transporteiweißes ins Blut. Die Menge, die das Eiweiß auf einmal befördern kann, ist individuell begrenzt – aus diesem Grund ist die Verträglichkeit von Fruktose von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Experten vermuten, dass der Fruktose-Transport bei circa einem Drittel der Deutschen nur eingeschränkt funktioniert. Dies würde erklären, weshalb sie bereits auf kleine Mengen Fruchtzucker mit Beschwerden reagieren.

Typische Symptome einer Fruktoseintoleranz sind Blähungen, Bauchschmerzen, ein Blähbauch und Durchfall. Ob tatsächlich eine Unverträglichkeit vorliegt, kann der Arzt mithilfe eines Atemtests prüfen:

  • Auf nüchternen Magen trinkst du eine Fruktose-Lösung und pustest in zeitlichen Abständen in ein Messgerät.
  • Es überprüft den Wasserstoffgehalt in deinem Atem.
  • Bei Überschreitung vorher festgelegter Werte und gleichzeitigem Auftreten von Beschwerden ist eine Fruchtzuckerunverträglichkeit naheliegend.

Ist die Diagnose eindeutig, solltest du deine Ernährungsgewohnheiten mit einem Experten besprechen und gegebenenfalls umstellen. Das Gute: In den meisten Fällen musst du nicht komplett auf Fruchtzucker verzichten. Sehr süße Lebensmittel wie Äpfel, Obstsäfte, Honig oder Trockenfrüchte, die viel Fruchtzucker enthalten, solltest du jedoch nur in Maßen konsumieren.

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Äpfel besitzen besonders viel Fruchtzucker. © Pixabay

Histaminintoleranz: Symptome und Ernährung genau beobachten

Histamin ist ein körpereigener Botenstoff, der auch in Lebensmitteln vorkommt. Ob es tatsächlich eine Histaminunverträglichkeit gibt, ist umstritten. Forscher vermuten, dass einige Menschen Histamin unvollständig oder langsamer abbauen. Dahinter stecken wahrscheinlich ein oder mehrere Enzyme.

Unklar ist, ob ausschließlich histaminreiche Lebensmittel Beschwerden hervorrufen. Es gibt Speisen und Getränke, die selbst kein Histamin enthalten, im Körper aber dennoch die Ausschüttung des Stoffes begünstigen bzw. dessen Abbau verhindern. Es existieren keine eindeutigen Symptome, die auf eine Histaminintoleranz hinweisen. Stattdessen variieren diese stark: Typische Beschwerde bei Betroffenen sind Kopfschmerzen und Migräne, aber auch Probleme im Magen-Darm-Bereich sowie Nesselsucht und Herzrasen treten auf.

Einen eindeutigen Nachweis für eine potenzielle Unverträglichkeit von Histamin existiert nicht. Vermutest du einen Verdacht, solltest du dich an einen Allergologen oder Ernährungsberater wenden. Dieser kann gemeinsam mit dir herausfinden, welche Lebensmittel Probleme verursachen. Histamin ist zum Beispiel in gereiften Käsesorten wie Parmesan oder Emmentaler enthalten, aber auch in Salami, Sauerkraut, Rotwein und konserviertem Fisch.

Fazit: Wer unterMagen-Darm-Beschwerden leidet, muss nicht zwangsläufig an einer Lebensmittelunverträglichkeit erkrankt sein. Das Gleiche gilt für Kopfschmerzen. Treten starke, anhaltende und wiederkehrende Symptome auf, kann nur ein Arzt sicher feststellen, ob tatsächlich eine Unverträglichkeit vorliegt. Ist die Diagnose eindeutig, sollten die auslösenden Lebensmittel bzw. Inhaltsstoffe unbedingt gemieden werden.

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